Fahrradtour von Landau in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn

In den letzten Jahren hat sich bei uns eine Fahrradtour über das Osterwochenende durchgesetzt.

Die Tour kommt dieses Jahr auch wieder sehr passend da ich immer wieder vor der Herausforderung stehe, meine Basalrate sportlichen Aktivitäten richtig anzupassen.

Vor der Tour fragte ich auch meine Diabetesassistentin um Rat. Diese konnte mit natürlich auch nicht vorhersagen wie weit ich die Stellschraube runter drehen muss. Ich sollte schrittweise meine Basalrate senken und dann beobachten wie es läuft. Dafür waren mehrere Tage auf dem Fahrrad die perfekte Praxisübung.

Dieses Jahr beschlossen wir, nicht erneut den Fehler zu machen, an Gründonnerstag mit einigen voll beladenen Fahrrädern mit dem Zug fahren zu wollen. So haben wir Fahrradstellplätze im IC, für die Heimfahrt reserviert, und uns als Ziel Bonn ausgewählt.


Bevor es jetzt mit der Tourbeschreibung weitergeht möchte ich euch noch meine Packliste (Auszug) für eine Fahrradtour vorstellen:

Allgemeines Material (aufgeteilt auf mehrere Fahrräder)
  • Gaskocher / Gaskartuschen / Feuerzeug
  • kleine Töpfe / Pfanne
  • 1. Hilfeset
  • Zeltmaterial (z.B. Flyingtent / Abspannschnüre / Heringe)
  • Kaffekanne / Kaffee
  • Gewürze / Öl
  • biologisch abbaubares Spülmittel / Spülschwamm
  • Toilettenpapier
  • Sonnencreme
  • Fahrradwerkzeug / Flickzeug / Ersatzschlauch / Kettenfett
  • Luftpumpe incl. verschiedener Aufsätze
  • Spiele

… dazu kommt natürlich auch noch eine ausreichende Verpflegung und Snacks für zwischendurch.

Persönliche Ausrüstung
  • Satteltaschen / wasserdichter Packsack
  • Schlafsack / Isomatte
  • Besteck / scharfes Messer / Tasse
  • Regenjacke / Regenhose
  • Mütze / Handschuhe / Skiunterwäsche
  • 1 Satz Fahrradkleidung
  • 1 Satz Wechselkleidung für Abends
  • Trinkflasche
  • Hygieneartikel / Handtuch
Diabetische Ausrüstung
  • Ersatzbatterien / Ladegeräte / Powerbank
  • Infusionssets / Reservoire / alkoholische Tupfer
  • Lesegerät FGM
  • Blutzuckermessgerät / Sensoren / Tupfer / Lanzetten
  • Ketonmessgerät / Ketonteststreifen
  • wasserdichter Beutel zum Schutz der Technik
  • Schutzhülle für die Insulinpumpe
  • Insulinflächschen
  • Ersatzpen / Insulin in passenden Patronen / Einwegnadeln
  • Glukagonspritze
  • kurzwirksame und langwirksame Kohlenhydrate

… hierbei muss man für sich einen guten Kompromiss der Mengen finden. Das Material hat ja doch viel Volumen und geht auch ins Gewicht.

Ich persönlich habe für Infusionssets o.ä. für jeden Tag 1 Stück kalkuliert und bringe immer wieder einen Teil mit nach Hause. Aber sicher ist sicher! Auch bei den Hypohelfern sollte man die körperliche Anstrengung nicht vergessen und lieber etwas mehr einpacken.


Tag 1 – Landau -> Deidesheim – 30 km

Los ging es donnerstags Abends nach Feierabend. Gestartet in Landau ging es über Nussdorf, Edenkoben und Maikammer in Richtung Neustadt a. d. Weinstraße. Von dort aus fuhren wir auf Höhe des Schlosses unserem Etappenziel entgegen. Nach dem wunderschönen Dörfchen Deidesheim suchten wir auch schon einen Schlafplatz und fanden einen wunderschönen Platz mit herrlicher Aussicht.

Gestartet bin ich die Tour mit einer angepassten Basalrate von 50%. Nach einiger Zeit wurde mir aber schnell bewusst, dass diese Reduzierung bei weitem nicht alleine ausreicht.

Tag 2 – Deidesheim -> Groß-Gerau – 83 km

Nach einer sehr kalten und zugigen Nacht konnten wir einen herrlichen Sonnenaufgang erleben und starteten die 2. Etappe. Es ging von Deidesheim los in Richtung Groß-Gerau. Über Bad Dürkheim, Frankenthal und Worms erreichten wir gegen späten Nachmittag Groß-Gerau. Dort hatten wir uns auf dem Jugendzeltplatz einen Platz gemietet. Frisch geduscht konnten wir hier den Abend am Lagerfeuer verbringen und uns für die anstrengendste Etappe, am nächsten Tag, erholen.

An diesem Tag habe ich meine Basalrate  von vornerein auf 25% gesenkt und auch bei kleinere Kohlenhydratmengen keinen Bolus abgegeben. Mit dieser Einstellung konnte ich deutlich besser eine Unterzuckerung verhindern.

Tag 3 – Groß-Gerau -> Boppard – 104 km

Auch diese Nacht war sehr schnell vorbei und wir konnten endlich (wir schliefen genau unter der Einflugschneise für einen Flughafen) den Zeltplatz verlassen und uns unserer Tour widmen. Von Groß-Gerau aus ging es über Mainz, Bingen und der Loreley nach Boppard. Dort nutzen wir die Chance um unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Inzwischen führte der Fahrradweg direkt im Rheinthal am Rhein entlang. Dadurch fuhren wir fast die ganze Zeit an stark frequentierten Straßen entlang. Leider ging dadurch der landschaftliche Reiz, im Vergleich zu den Streckenabschnitten im Vorfeld, stark verloren. Für den heutigen Abend hatten wir uns ein Plätzchen auf dem Campingplatz Sonneneck reserviert. Dort vielen wir zwar, zwischen Wohnmobilen und Wohnwägen, auf wie bunte Hunde aber hatten einen sehr entspannten Abend direkt am Rhein.

Meine Basalrate fuhr heute mit 0% mit. Genauso lies ich auch heute wieder die Bolusabgabe für einige kleine Mahlzeiten einfach weg. Trotzdem war es nötig in gleichmäßigen Abständen die Vorräte von Müsliriegeln zu vernichten um einen Abfall des Blutzuckers zu verhindern.


Anmerkung dazu:
In den letzten Nächten hatte ich einen extremen Anstieg meiner Blutzuckerwerte. Durch die geringe (oder gar keine) Basalabgabe enstand ein Insulindefizit welches sich Nachts bemerkbar machte. Nach Rücksprache mit meiner Diabetesassistentin werde ich in Zukunft die Basalrate nicht mehr so extrem (0%) senken und muss einen Abfall der Blutzuckerwerte durch Kohlenhydrate abfangen.

Tag 4 – Boppard -> Bonn-Bad Godesburg 74 km

Die letzte größere Etappe. An diesem Tag sah das Wetter nicht ganz so gut aus, sodass wir uns direkt in die komplette Regenmontur steckten.  1. Stopp war Koblenz dort war natürlich ein Besuch am Deutschen Eck unausweichlich. Nachdem die schwarzen Wolken immer näher kamen flüchteten wir in eine geniale Eisdiele und verbrachten dort den kurzen, aber heftigen, Regenschauer. Danach ging es frisch gestärkt an vielen kleinen Ortschaften nach Bonn-Bad Godesburg. Die letzten 2km hatten es mit fast 100 Höhenmetern zwar noch ein Mal in sich aber trotzdem erreichten wir alle, erschöpft aber glücklich, den letzten Zeltplatz unserer Tour.

Tag 5 – Bonn-Bad Godesburg -> Bonn 9 km

Nach einem langen Abend ging es, fast von allein, die letzten 9 Kilometer in Richtung des Bonner Hauptbahnhofs. Von dort aus ging es zuerst mit einem IC und später mit Regionalbahnen wieder in Richtung Landau.

IC-Fahrradabteil

IC-Fahrradabteil

Die Tour selber habe ich mit Hilfe von Komoot und der Fahrradkarte Rhein-Radweg 4 geplant. Beides kann ich sehr gut empfehlen. (*Eigene Meinung)