Eine Herausforderung für mich und meinen Diabetes

Am Anfang vom Jahr setzten wir (ein kleines Grüppchen Gruppenleiter) uns zusammen und beschlossen eine Actiontour für diesen Herbst. Wir wollten ein paar Aktionen machen die wir normalerweise nur mit unseren Gruppenkindern, aber dann natürlich kindgerecht, durchführen.

Im September war es dann soweit und wir starteten unserer Tour in Richtung Österreich in das Tiroler Ötztal.

Nach einer langen Fahrt erreichten wir unseren Zeltplatz  in Imst. Dieser liegt sehr ruhig, mit einem herrlichen Bergpanorama, am Ortsrand. Dort  richteten wir unser Zeltlager für das Wochenende ein.

Canyoning – Auerklamm Total

Am nächsten Morgen ging es zeitig direkt los. Wir fuhren frisch gestärkt in Richtung Haiming. Dort wurden wir mit Helm, Neoprenanzug, Schuhen und Klettergurt ausgerüstet. Da es in den Hochlagen kurz vorher geschneit hatte und der Schnee nun schmolz bekamen wir zusätzlich ein Neopren-Jacket welche uns noch wärmen sollte. Voll ausgerüstet ging es mit Taxis den Berg hinauf um zu dem Einstieg der Auerklamm zu gelangen. Durch den erhöhten Wasserstand war ein abseilen durch den 40 Meter hohen Wasserfall nicht möglich sodass wir über einen Klettersteig in den Bergbach kletterten. Am Ende des Klettersteiges mussten wir in das kalte Wasser springen. Wer bis dahin noch nicht wach war  war es dann sicher… es war sau kalt!

Wir hatten keinen langen Aufenthalt im Wasser und es ging direkt weiter. Wir rutschten Wasserfälle hinab, Sprangen von Felsvorsprüngen und kletterten zwischen den Felsen das Bachbett hinab. Da wir alle die Herausforderung gesucht haben hatten wir die schwierigste Tour gebucht und unser Guide führte uns durch jede Herausforderung die man sich denken konnten.

Aber das große Finale sollte erst noch kommen. Nach guten 5 Stunden im Bergbach kam der Abschlussprung. Ein 12 Meter hohe Wasserfall den wir durch springen bezwingen durften. Man hatte nur eine Chance… direkt springen. Wenn man zögert und drüber nachdenkt ist es vorbei. Da die Höhe schon immer nicht mein bester Freund ist habe ich nicht viel nachgedacht. Nur gut gezielt und gesprungen. Ich kann euch sagen, das Gefühl ist einzigartig. Der Flug und danach das Auftauchen aus dem eiskalten Wasser…

Nachdem alle heil aus dem Bachlauf ausgestiegen sind ging es wieder zurück zum Zeltplatz und wir erholten uns von dem anstrengenden Tag.

Power Rafting

Nach einer kurzen Nacht stand schon der nächste Programmpunkt auf dem Plan. Es ging in Richtung Area47 um von dort aus eine Power Rafting Tour in der Imster Schlucht zu starten. Beim Rafting befährt man mit Gummibooten wilde Bergflüsse. In der Regel nutzt man dazu große Boote mit einem Guide an Board. So aber nicht in unserem Fall. Wir hatten uns für  kleine Schlauchbooten mit 2-3 Personen an Board  entschieden da wir es mit größeren Booten  alle schon einmal gemacht hatten. Wir waren somit unser eigener Kapitän und selber verantwortlich ob wir  unfreiwillig baden gehen. Eine  sehr spannende und auch teamfördernde  Aufgabe denn die kleine Boote waren ein Spielball für die Wellen und mussten sauber gesteuert werden. (Beispielvideo)

Diabetesequipment

Natürlich musste ich mir auch die ein oder andern Gedanken machen wie ich sicher und ohne große Einschränkungen diese Aktionen meistern kann.

  • Wie kann ich mein Diabetesequipment mit auf die Touren nehmen?
    Ich wusste, dass ich mir eine Lösung einfallen lassen muss wie ich mein Material schützen kann. Meine Insulinpumpe lies ich zur Sicherheit im Auto. (Das Risiko war mir doch noch zu groß). Also kam ein Blutzuckermessgerät sowie ein Insulinpen und die Glucagonspritze mit. Alles zusammen habe ich mit mehreren wasserdichten Hüllen geschützt. Zum Schluss kam noch ein Packsack außenrum damit ich das ganze Paket an meinen Klettergurt hängen kann oder es im Boot festmachen kann.

  • Wie halte ich meinen Blutzucker unter Kontrolle während ich die Insulinpumpe abgestöpselt habe?
    Da ich mich bei den Aktionen körperlich sehr viel bewegte ging ich davon aus, dass der Insulinmagel dadurch bekämpft wird und ich eher Probleme mit einer Hypo bekommen würde.
  • Wie transportiere ich meine Notfall-BEs?
    Ein Großteil der BEs packte ich in meinen Packsack. Eine Notration verschwand ganz einfach in den Ärmeln meines Neoprenanzuges. So war immer etwas griffbereit und ich hatte aber trotzdem außreichend Material dabei da ich nicht abschätzen konnte wie mein Blutzucker auf die körperliche Herausforderung reagiert.

Bei der Einweisung für jede Aktion wurde auch immer gefragt ob Diabetiker anwesend sind. Ich hatte schon die Befürchtung, dass es dabei Probleme gibt. Aber keine Spur davon…

Die Guides waren sogar begeister davon wie ich mich auf die Touren vorbereitet hatte. Das wäre wohl nicht selbstverständlich. 😀

Meine Blutzuckerkurve verhielt sich bei beiden Aktionen akzeptabel. Ich ging mit leicht erhötem Blutzucker rein, gönnte mir den ein oder andern Müsliriegel und kam ohne Unterzuckerung oder viel zu hohem Blutzucker durch die Aktion. Natürlich dauertes es am Abend auch wieder einige Zeit bis sich die Kombination von Insulinmangel und Sport löste.

Ich kann nur zusammenfassen:

Auch als Diabetiker kann man alles machen. Vielleicht muss man bei der ein oder anderen Aktion etwas mehr planen oder mitdenken aber sont gibt es  keine Einschränkungen.

Hast du schon  solche Aktionen erlebt bei denen eine gute Planung unumgänglich ist oder du vorher gedacht hast, das kann ich nicht machen?